Parkett-Fachtagung am 08.03.2013 in Feuchtwangen

Verfasser des Beitrags: Dr. Unger, Donauwörth, Fachjournalist und Autor des FUSSBODEN ATLAS®


10. Tagung des Landesinnungsverbandes Parkettlegerhandwerk und Fußbodentechnik Bayern an der Bayerischen Bauakademie in Feuchtwangen

Auf freundliche Einladung von Herrn Peter Fendt befand ich mich am 08.03.2013 in der Bayerischen Bauakademie in Feuchtwangen, um der 10. Tagung des Landesinnungsverbandes Parkettlegerhandwerk und Fußbodentechnik Bayern beizuwohnen.

Den Anfang machte Herr Heinz Brehm, der einige Hinweise zum Thema ‚Arbeitsschutz bei der Parkettverlegung’ gab. Herr Fendt empfahl in diesem Zusammenhang, Rechnungen für Arbeitsschutzmaßnahmen (z. B. Staubmasken, etc.) aufzuheben und in einem eigenen Ordner zu sammeln. Auf diese Weise könne man zu einem späteren Zeitpunkt darauf zurückgreifen und nachweisen, entsprechende Vorkehrungen getroffen zu haben.


Ausbildungsoffensive der Industrie

Den nächsten Vortragspart übernahm Herr Dr. Norbert Arnold von der Fa. Uzin. Er stellte die Ausbildungsoffensive der Industrie vor, welche zum Ziel hat, mehr junge Leute für die Karriere im Bodenhandwerk zu begeistern. In einer Präsentation erläuterte Dr. Arnold, dass sich die Anzahl der Firmen im Parkett- und Estrichhandwerk zwischen 2001 und 2011 ca. vervier- bis verfünffacht hat. Dies würde ja zunächst gut klingen, allerdings handelt es sich um eine extrem hohe Menge an Kleinstbetrieben mit nur sehr geringen Umsätzen. Im gleichen Zeitraum hat sich die Anzahl der Gesellen halbiert. Es gibt kaum noch Interessenten für die Meisterprüfung im Estrichhandwerk und die Ausbildungsquote im Bodenhandwerk hat ebenfalls extrem nachgelassen. Es stellt sich also die Frage, wer in Zukunft in Deutschland die Produkte der Industrie verarbeiten wird. Dr. Arnold stellte ein sehr professionell gemachtes Video des deutschen Handwerks vor mit dem Titel: Was wäre die Welt ohne das Handwerk? (zu finden in youtube). Unter www.initiative-pik.de finden interessierte Firmen einen Film, welcher für die Ausbildung im Parkettbereich wirbt. Möglicherweise können Firmen diesen auf ihrer Internetseite zur Verfügung stellen und damit für Nachwuchs werben. Lt. Dr. Arnold sind die österreichischen und schweizer Kollegen dahingehend sehr aktiv. Da die Innungen selbst nicht über ausreichende Mittel verfügen, hat die Industrie in Aussicht gestellt, hier umfangreiche Beträge zur Nachwuchsgewinnung bereitzustellen.


Mineralisch gebundene Fertigteilestriche

Der nächste Vortrag von Herrn Andreas Seifert (Fa. Knauf) befasste sich mit dem Thema der mineralisch gebundenen Fertigteilestriche. Herr Seifert schätzte den Marktanteil dieser Lastverteilungsplatten auf ungefähr 15% des Estrichmarktes. Die Gipskartonplatten verloren in den letzten Jahren in diesem Bereich Marktanteile, während die Gipsfaserplatten hinzugewannen. Es versteht sich von selbst, dass bei allen Fertigteilestrichen die Untergrundnivellierung eine wesentliche Rolle spielt. Während Mörtelestriche E-Module von ca. 16.000 bis 20.000 MN/m2 aufweisen, liegen viele Fertigteilestriche lediglich bei 3.000 bis 6.000 MN/m2. Dies führt unter Last zu Verformungen und bei kleineren Aufstandsflächen und hoher Last zu Eindrückungen nach unten. Aus diesem Grund werden für diese Estriche steifere Dämmschichten benötigt, als bei Mörtelestrichen. Leider gibt es keine Norm für Fertigteilestriche, weshalb hier die Herstellervorgaben von wesentlicher Bedeutung sind. Gerade im Randbereich kann es zu intensiven Verformungen bei Last kommen, weshalb derartige Estriche ungünstig für die Aufbringung starrer und großformatiger Beläge sind wie z. B. Fliesen. Bei Parkettaufbringung können intensive Kräfte durch Schwinden und Quellen auf den Fertigteilestrich wirken, denen letzterer häufig wenig entgegenzusetzen hat. Wenn es dann bei einer Verformung zum Schaden kommt, so ist die beeinträchtigte Stelle häufig im Bereich der Stufenfalz zu finden. Bei höheren Lasten empfahl Herr Seifert unbedingt die Verwendung von gebundenen Schüttungen statt Trockenschüttungen. Der Vortragende lobte die Brandschutzeigenschaften von Gipsfaserprodukten. Dies führte der Vortragende darauf zurück, dass Kristallwasser aus dem Dihydrat im Brandfall verdampft und damit dem Feuer Energie durch den Dampfschleier nimmt. Schalltechnisch haben Fertigteilestriche häufig die Schwierigkeit, dass sie nicht auf die notwendigen 70 kg pro m2 kommen und ihnen damit Masse fehlt. Diese wird häufig dann in der Unterkonstruktion ergänzt. Verwendete Schüttungen dürfen nicht in die Dämmschicht eindringen, weshalb bei Vorhandensein von Mineralwolle entsprechende Trennschichten vorgesehen werden sollen. Bei hohen Lasten kann man die Fertigteilestriche auch doppellagig verlegen, wobei dann im Regelfall die obere Schicht vollflächig auf die erste Schicht geklebt werden muss und zusätzlich im Falzbereich geklebt und gebohrt werden muss. Wenn Baustellenverkehr die Platten verschmutzt hat, so ist auch hier vor Belegung ein Reinigungsschliff erforderlich. Eine Grundierung ist ohnehin ein wesentlicher Bestandteil des Bodenaufbaus. Als Parketttypen eignen sich auf Fertigteilestrichen vor allem verklebtes Mehrschichtparkett, verklebtes Mosaikparkett und generell schwimmend verlegtes Parkett. Herr Seifert wies darauf hin, dass die Gipsfaserplatten ungefähr mit einer Feuchtigkeit von 0,2 Masse-% ausgeliefert werden und diese im Bau dann etwas auffeuchten können. Aus dem Publikum kam daraufhin die Frage, ob man bei jedem Fertigteilestrich dann vor Belegung eine CM-Prüfung durchführen sollte, was konträr diskutiert wurde.


‚Hacking-Angriffe im EDV-Bereich’

Als nächstes folgte ein Thema, was man im Rahmen einer Parketttagung nicht unbedingt erwartet hätte. Trotzdem fand ich es toll, so etwas auf das Programm zu bringen. Es handelte sich um die Thematik von ‚Hacking-Angriffen im EDV-Bereich’. Das Thema wurde von Herrn Steglich und einem Kollegen von der Fa. SySS GmbH sehr professionell live vorgeführt. Nahezu jeder Handwerksbetrieb verfügt heute über eine umfangreiche EDV-Ausstattung und die gilt es, gegenüber Angriffen zu schützen.

Zunächst zeigten die EDV-Experten, wie schlecht Online-Shops häufig gegen Manipulationen geschützt sind. Unter den Augen der Zuhörer wurde ein real existenter Shop dahingehend manipuliert, dass nicht nur die bestellte Ware nichts kostete, sondern man sogar noch eine Gutschrift bekam. Dies wurde möglich durch editierbare und damit manipulierbare Elemente innerhalb des Shops. Manchmal gelingt es auch im Shop, den Bestellbereich zu überspringen und direkt zu bestellen, ohne dass man vorher den lästigen Umweg über den Bezahlbereich gewählt hat.

Heute werden häufig Chips genutzt, um per Funk den Laptop oder Computer zu entsperren und damit z. B. Daten in der Mittagspause zu sichern. Ähnliche Systeme werden heute für das Entsperren von Türen, Zugangsberechtigung in Mensen, für Hoteltüren, Autoschlüssel, etc. verwendet. Die Experten zeigten, wie einfach es ist, mit geeigneten Klon-Programmen derartige Hürden zu überwinden und dabei sogar die Original-Seriennummer wieder zu verwenden. Weiterhin erläuterten sie, wie Internetangriffe funktionieren. Häufig wird hierbei versucht, die Systeme durch eine Vielzahl an Anfragen zu überlasten. Diesbezüglich ist es wichtig, eine aktuelle Software zu nutzen, die Lücken im Sicherheitssystem möglichst schließt. Auch zunächst ungefährlich aussehende Anlagen wie PDF-Dateien können sich beim Öffnen negativ auswirken, wenn sie entsprechende Schadsoftware enthalten. Im ungünstigen Fall kann ein Externer den Rechner übernehmen und Einsicht in Daten erhalten. Es sollte unbedingt ein geeigneter Virenscanner eingesetzt werden, wobei diese letztendlich keinen 100%igen Schutz bieten. Sie sichern gegen schon bekannte Angriffe, Modifikationen führen jedoch zu individuellen Schadprogrammen, die dann häufig von den Virenscannern nicht erfasst werden. Ein Gefahrenpotential sahen die Referenten auch bei der Nutzung des öffentlichen WLAN. EDV-Kriminelle generieren teilweise eigene WLAN-Netze und schalten sich dann zwischen Benutzer und Internetverbindung. Man sollte sich deshalb nur mit bekannten WLAN-Systemen verbinden.


Aktuelle Entwicklungen im Baurecht

Als nächstes referierte Herr Rechtsanwalt Andreas Demharter, Hauptgeschäftsführer im Landesverband Bayerischer Bauinnungen. Es ging um aktuelle Entwicklungen im Baurecht wie z. B. die Änderungen in der VOB 2012. Hier gab es in erster Linie Modifikationen in §16. Gemäß VOB 2012 werden Abschlagszahlungen nun 21 Tage nach Zustellung fällig und Schlussrechnungen i. d. R. 30 Tage nach Zustellung. Was das BGB im Vergleich dazu interessant macht, ist, dass hier sowohl Abschlagszahlungen als auch Schlussrechnungen direkt nach Zustellung fällig werden. Gemäß der neuen VOB 2012 geraten Kunden 30 Tage nach Zugang der Rechnung automatisch in Verzug. Dies ist beim BGB identisch.

Es gibt eine Vorgabe für eine Zahlungsverzugsrichtlinie der EU, welche Zahlungen beschleunigen soll. Herr Demharter wies darauf hin, dass der momentane Entwurf allerdings eher Zahlungen verzögern würde und insofern für die Unternehmen kein Interesse besteht, dass dies in der derzeitigen Form Gesetz wird. Weiterhin wies Herr Demharter nochmals auf die Schwierigkeit hin, wenn Baustoffe mangelhaft sind und dann der Lieferant nur für die Bereitstellung eines neuen, mangelfreien Baustoffes aufkommt. Die Aus- und Einbaukosten bleiben i. d. R. bei den ausführenden Firmen hängen. Die Verbraucher sind in diesem Zusammenhang besser geschützt als Firmen, was der Landesverband Bayerischer Bauinnungen verändern möchte. Herr Demharter wies auf die Möglichkeit geeigneter Versicherungen für die ausführenden Betriebe hin.

Weiterhin zeigte Herr Demharter auf, dass die Gerichte in letzter Zeit dazu neigen, Hinweispflichten der Firmen sehr weit auszulegen, wenn der Unternehmer einen deutlichen Wissensvorsprung gegenüber dem Kunden hat. Wenn ein Architekt mit von der Partie ist, dann wird hier von ungefähr gleichen Bedingungen ausgegangen. E-Mails erfüllen nicht die schriftliche Formvorschrift, wenn sie ohne elektronische Signatur zugestellt werden. Dies mag z. B. für Maßnahmen gegenüber Nachunternehmern in letzter Sekunde vor Fristablauf interessant sein. Anschließend wies der Vortragende darauf hin, dass es immer schwieriger wird, die Mangelbeseitigung wegen Unverhältnismäßigkeit zu verweigern, vor allem, wenn es um funktionelle Themen geht.


Interessante Parkettschadensfälle

Den Schlusspunkt der Veranstaltung gestaltete der Sachverständige Peter Kummerhoff und erläuterte einige interessante Parkettschadensfälle.

Zum Einen zeigte der Vortragende einige Fotos von mysteriösen Flecken in Jatoba-Parkett. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass dies bei dieser Holzart vorkommen kann und handwerklich nicht zu verhindern ist. Die Flecken sind auf Flavonoide zurückzuführen, pflanzentypische Inhaltsstoffe, die unter UV-Einstrahlung zu Ausbleichungen führen und mit dem Stressverhalten des Baumes zu tun haben. Diesbezüglich findet man auch Hinweise in der Holzfachpresse.

In einem zweiten Fall wies Herr Kummerhoff darauf hin, dass IPE/Lapacho-Parkett i. d. R. schwer zu versiegeln ist. Es kommt hier relativ schnell zu einer unschönen Optik, weshalb man eher auf Wachsen oder Ölen zurückgreifen sollte, um die Verbindungsproblematik zu entschärfen.

Eine Diskussion entzündete sich zu dem Punkt ‚künstlich gealterte Dielen’, wobei einige im Raum vertretene Sachverständige darauf hinwiesen, dass diese nicht normenkonform seien und teilweise unschöne Eindrücke bzw. Dellen aufwiesen.


Resümee:

Abschließend kann gesagt werden, dass die mit einer Ausstellung verbundene Fachtagung für die Anwesenden eine Bereicherung war und den Verantwortlichen rund um Herrn Fendt für das Engagement im Sinne der Handwerker zu danken ist. Weitere Informationen finden Sie unter:

http://www.parkettfussbodentechnik.de/index.php

Die Bauakademie Feuchtwangen erwies sich als guter Austragungsort für die Fachtagung und stellte nicht nur die geeigneten Räumlichkeiten, sondern auch eine funktionierende kulinarische Betreuung der Seminarteilnehmer zur Verfügung. Weitere Informationen finden Sie unter:

http://www.baybauakad.de/ausbildung

Dr. A. Unger

 


Dr. Arnold von Fa. Uzin


Heinz Brehm


Hr. Seifert von Fa. Knauf


Hr. Steglich (li.) mit Kollege


Peter Fendt


Peter Kummerhoff


Praktische Vorführung


RA Demharter

 

 

 

 

 

 

 

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