Weiße Wannen – richtig beraten, richtig planen, richtig bauen

Verfasser des Beitrags: Dr. Unger, Donauwörth, Fachjournalist und Autor des FUSSBODEN ATLAS®


Pressebericht über die Veranstaltung ‚Weiße Wannen – richtig beraten, richtig planen, richtig bauen’ am Donnerstag 15. November 2012

 

Veranstaltungsort: Wolf-Ferrari-Haus, Rathausplatz 2, 85521 München-Ottobrunn

Veranstaltungszeit: 15. November 2012

Bericht verfasst von Dr. Unger, Donauwörth, Fachjournalist und Autor des FUSSBODEN ATLAS®

Die eintägige Seminarveranstaltung fand im Wolf-Ferrari-Haus in München-Ottobrunn statt. Mit ca. 160 Zuhörern war sie gut besucht und voll besetzt. Nach einführenden Worten von Dipl.-Ing. Klaus Probst vom Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau IRB, Stuttgart übernahm der erste Referent, Dr.-Ing. Frank Fingerloos vom Deutschen Beton- und Bautechnik-Verein E.V., Berlin das Podium.

Er befasste sich mit den besonderen Anforderungen an Weiße Wannen mit hochwertiger Nutzung. Schnell wurde klar, dass in solchen Bereichen besondere Anforderungen gestellt wurden. Zum Beispiel betonte der Referent, dass es wichtig sei, eine freie Zugänglichkeit zu gewährleisten, für den Fall, dass es später zu Leckagen kommen würde. Dies betrifft sowohl den Boden- als auch den Wandbereich. Einbaumöbel könnten in diesem Zusammenhang, an der falschen Stelle platziert, kontraproduktiv sein. Außerdem ist zu gewährleisten, dass die Raumluftfeuchte nicht über ein gewisses Niveau ansteigt, um Tauwasserentstehung vorzubeugen. In diesem Zusammenhang können eine Zwangslüftung und sogar eine Klimaanlage mit Entfeuchtungswirkung notwendig sein. Auch eine geeignete Heizung ist vonnöten. Mit Feuchtigkeit angereicherte Luft von innen darf nicht mit kalten Wänden oder kalten Betonplatten in Berührung kommen. Diesbezüglich zeigte Dr. Fingerloos zeigte einen Fußbodenaufbau, bei welchem eine feuchtigkeitsunempfindliche Dämmung direkt auf der weißen Wanne zu liegen kam und diese Dämmung im Anschluss mit einer diffusionshemmenden PE-Folie abgedeckt war. Auf diese Weise sollte Tauwasserentstehung verhindert werden. Herr Dr. Fingerloos sah insbesondere den Sommer in diesem Zusammenhang als problematische Jahreszeit an. Er wies auf die Wichtigkeit der Einhaltung einer geeigneten Mindestwechselzahl hin. Auf Nachfrage erklärte der Referent, dass in Bezug auf Tauwasser Wandkonstruktionen i. d. R. problematischer seien als Fußbodenkonstruktionen auf Weißen Wannen.

Der nächste Vortrag von Dipl.-Ing. Karsten Ebeling befasste sich mit dem Thema ‚Dreifachwände (Elementwände) – Chancen und Risiken Weißer Wannen aus Halbfertigteilen’.

In diesem Zusammenhang erläuterte der Referent Vor- und Nachteile dieser Konstruktionsart. Ein Vorteil bestand z. B. darin, dass man bei dieser Technik auf eine zusätzliche Schalung verzichten kann und auch die Nachbehandlung darauf reduziert wird, dass der Wandkopf mit feuchten Jutesäcken abgedeckt werden muss. Allerdings ist es schwer, mit einer solchen Konstruktionsart auf zahlreiche Versprünge zu reagieren und man muss klären, inwieweit eine Anschlussbewehrung vor Aufsatz der Wände notwendig ist. Besonders zu achten ist auf eine geeignete Innenrauhigkeit der Elementwände, sodass sich der eingefüllte Ortbeton dort entsprechend verkrallen kann. Bei der Verfüllung ist die Körnung des Betons sehr wichtig. Der Referent empfahl, den unteren Bereich mit einem Größtkorn von 8 mm zu füllen und erst dann auf ein Größtkorn von 16 mm umzustellen. Auf die zulässige Betoniergeschwindigkeit ist hier besonders zu beachten, da je nach Betontyp, ein hoher Druck ausgeübt werden kann. Von großer Wichtigkeit ist auch die Ebenheit der aufnehmenden Betonplatte, da das Fertigteil sonst nicht geeignet aufliegt. Wichtig ist es auch, dass die Betonfertigteilwände innen angefeuchtet werden, um eine geeignete Haftung zu erzielen.

Als nächstes berichtete Dr.-Ing. Klaus-Reiner Goldammer vom Deutschen Beton- und Bautechnik-Verein E.V., Berlin über das Thema ‚Schäden an WU-Konstruktionen aus Sicht eines Gerichtsgutachters’.

Auch er wies darauf hin, die unterschiedlichen Nutzungsklassen der einzelnen Konstruktionen zu berücksichtigen und mahnte das Publikum zur Beachtung der Rissbreitenminimierung, um geeignet mit der Konstruktion der Weißen Wanne umgehen zu können. Er beschrieb in diesem Zusammenhang auch den „Selbstheilungseffekt“, bei dem sich Risse bei Vorhandensein von Wasser und Luft selbst zusetzen. Dies beansprucht jedoch Zeit. Schneller geht eine Injektion, die jedoch wieder mit entsprechenden Kosten verbunden ist. Weiterhin beschrieb der Referent die Effekte von früher und später Zwängung und wies darauf hin, dass eine zwängungsfreie Lagerung von großer Wichtigkeit sei und evtl. in diesem Zusammenhang manchmal eine zusätzliche Bewehrung notwendig wird.

Anschließend ging man in die Mittagspause und hatte Gelegenheit zum Besuch der Ausstellung.

Nach der Pause referierte Dipl.-Ing. Wolfgang Conrad vom Deutschen Beton- und Bautechnik-Verein E.V., Wiesbaden über ‚Weiße Dächer und Decken aus WU-Beton – bautechnische Grundlagen und Umsetzung’.

Der Referent wies darauf hin, dass im Dachbereich insbesondere der Wärmeschutz wichtig sei, der i. d. R. über eine Außendämmung erreicht wird. Herr Conrad stellte eine Skizze vor, bei welcher auf der weißen Decke als oberer Abschluss eines Wohnhauses zunächst eine Perimeterdämmung, dann ein wasserdampfdiffusionsoffenes aber körperliches Wasser zurückgehaltendes Vlies vorhanden war. Diese Schichten wurden dann mit einer Kiesschüttung abgedeckt. Das Vlies beschrieb in diesem Zusammenhang Herr Conrad als hauptwasserführende Ebene und wies darauf hin, dass bei Anlage eines Gefälles, dieses nur im Beton ausgebildet sein solle. Dies führte zur Diskussion, ob es durch das eindringende Wasser zu einer Anstaubewässerung kommen könnte, für die  möglicherweise die entsprechenden Platten nicht zugelassen seien. Herr Conrad wies darauf hin, dass es günstig sei, wegen der entstehenden Spannungen im Beton in der warmen Jahreszeit am besten Mittags oder gegen Abend zu betonieren, weil sich auf diese Weise hohe Außentemperaturen nicht mit der entstehenden Hydratationswärme überlagern.

Im Anschluss referierte Prof. Dr. Rainer Hohmann von der Fachhochschule Dortmund über die richtige Planung und fachgerechte Ausführung von  Fugenabdichtungen für Weiße Wannen.

Der Referent wies darauf hin, dass es besonders wichtig sei, dass Produkte über notwendige Zulassungen verfügen und dass man diese Zulassung auch im Detail lesen sollte. Mehrfach wies Prof. Dr. Hohman darauf hin, wie wichtig es sei, dass die Rissbreiten ≤ 0,2 mm betragen, sodass derartige Abdichtungen richtig funktionieren können. Auch der notwendige Abstand zwischen Fugenabdichtung und Bewehrung sei wegen einer geeigneten Betonumschließung von großer Bedeutung. Auch sei es wichtig, dass die gewählten Fugenabdichtungen nicht übermäßiger Torsion ausgesetzt werden. Solche Fugenabdichtungen bedürfen nicht nur einer gewissenhaften Planung, sondern auch einer sorgfältigen Überwachung an der Baustelle.

Zuletzt referierte Rechtsanwältin Dr. Katrin Rohr-Suchalla von der CMS Hasche Sigle Partnerschaft von Rechtsanwälten und Steuerberatern, Stuttgart über ‚Mängelhaftung und Gewährleistung nach der VOB/B 2009 – aktuelle juristische Aspekte, insbesondere bei Weißen Wannen’.

Die Hauptaussage des Vortrags bestand darin, dass ein Gewerk die vereinbarte Beschaffenheit aufweisen muss und den anerkannten Regeln der Technik zu entsprechen hat. Beim Vorliegen von Mängeln empfahl die Rechtsanwältin gemäß der Symptomtheorie in erster Linie das äußere Erscheinungsbild zu rügen. In diesem Zusammenhang wären dann von dieser Mangelrüge alle auslösenden Faktoren mit erfasst. Bei auftretenden Beanstandungen führen Unternehmen häufig das Gegenargument der Unverhältnismäßigkeit ins Feld. Dieses dringt jedoch häufig nicht durch. Lediglich, wenn z. B. geringe Schönheitsfehler vorhanden sind, in einem Bereich, wo es nicht darauf ankommt, kann eine solche Argumentation weiterführen. Interessant war auch, dass sich ein Architekt bei Weißen Wannen umfassend nach den Grundwasserverhältnissen erkundigen muss, um eine geeignete Planungsleistung abzugeben.

Die Veranstaltung wartete mit guten Referenten und interessanten Themen auf und war für die zahlreichen Besucher sicher ein Gewinn.

 
Bild 1             Dr. Frank Fingerloos

 
Bild 2             Karsten Ebeling

 
Bild 3             Prof. Rainer Hohmann

 
Bild 4             Wolfgang Conrad (li.) und Dr. Goldammer (re.)

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